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Tagblatt 22. April 2008

Traurige Bärenzeiten
Von Kathy Riklin, Nationalrätin Zürich

Wir leben in traurigen Zeiten! Nicht wegen des Niedergangs der politischen Kultur. Auch nicht wegen dem himmeltraurigen Wetter am Sechseläuten. Es ist der Bär! Das Schicksal von JJ3. Der putzige Tschei-tschei-srii wurde kaltblütig abgeschossen, weil er sich vom interkantonal klassifizierten Problembär zum Risikobär ausgewachsen hatte. Im Klartext: Weil er erwachsen geworden ist. Von uns Menschen verursachte Abfälle und Kompost haben ihn magisch angezogen – und sind ihm zum Verhängnis geworden. Er wurde zum Abfallsünder – und das war genug, um ihn „amtlich bewilligt“ abzuknallen.
Und dies gerade im Kanton Graubünden, der seine SVP-Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf vor den Angriffen der wilden Horden schützt. Eine verkehrte Welt! Beim Bären haben die Vergrämungsaktionen mit Gummischrot und Knallpetarden ihre abschreckende Wirkung verfehlt. Mögen die parteipolitischen Gummischrotladungen der SVP auch am Ziel vorbeischiessen! Es ist zu hoffen, dass sich die republikanischen Kräfte von CVP, FDP und der Linken gegenüber den Rechtsaussen-Polteri durchsetzen können und der Respekt vor einer Bundesrätin höher und weitergehend ist als ein fragwürdiges Wildtierkonzept!
Traurige Zeiten herrschen auch an der Börse – der leise Katzenjammer ist zum Bärenjammer geworden. Der Bullenmarkt hat zum Bärenmarkt mutiert. Die Aktienkurse sinken und sinken - Bären beherrschen das Feld. Beim JJ3 hatten wir gehofft, dass der arme Risikobär, seine Haut durch die Flucht über die Grenze nach Italien retten könnte. Dort herrschen offensichtlich bessere Wildtierbedingungen. Mamma Italia hat für viele Platz. Aber sicher nicht bessere Finanzplatzbedingungen, die konjunkturelle Bärenstimmung della bella Italia ist leider bereits chronisch – Oberbär Bärlusconi hin oder her.
Bärige Trauerzeiten – traurige Bärenzeiten und verzwickte Bärenlagen offensichtlich überall!

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Tagblatt 6. Februar 2008

Watchliste für Kapitän
Von Kathy Riklin, Nationalrätin CVP Zürich

Nach dem Swissair-Grounding reiben wir uns wieder einmal die Augen. Da war doch einmal eine stolze Bank, das Flaggschiff der Schweiz. Es war unsere Bank, die UBS, mit einem S am Schluss wie Switzerland. In Raten vernehmen wir „bad news“: 16,9 Milliarden Abschreibungen am 10. Dezember, noch einmal 4.4 Milliarden Abschreibungen am 30. Januar. Ein UBS-Reinverlust für das Jahr 2007 von 4.4 Milliarden Franken, einmalig und erstmals im Laufe der Geschichte der traditionsreichen Bank. Einfach so! Weil die Finanzspezialisten mit so komplexen Finanzkonstrukten jonglierten, dass am Schluss das ganze Haus auf einem Melkstuhl stand. Oben wurde abgesahnt, die Bänker mit Boni belohnt, unten blieb der Schaden. Tausende von Kleinaktionären verlieren Teil ihres Ersparten, unsere Pensionskassen beklagen Milliardeneinbussen.

Hätte unsere Regierung nur einen Bruchteil dieser Fehler gemacht, die Wirtschaftskapitäne würde aufheulen. Hier kann mich nur der luxemburgische Premier- und Finanzminister Jean-Claude Juncker mit seiner Aussage am Dolder-Meeting in Zürich trösten: „Meine Hochachtung für das Bankgewerbe ist inzwischen auf dem Niveau angekommen, auf dem der Respekt der Bankenfachwelt vor der Politik schon längst angekommen ist.“ Es tröstet uns wenig, dass die UBS jetzt auf der Watchliste ist. Marcel Ospel hat sich schon vor zwei Jahren von Basel nach Wollerau, SZ abgesetzt. Am TeleBasel im Juni 2007 meinte er noch, dass die Albisgüetli-Partei, die inzwischen in der Opposition ist, die beste Wirtschaftspartei der Schweiz sei. Sie habe für die schweizerische Volkswirtschaft und den Finanzplatz sehr viel getan. Vielleicht wäre es jetzt besser, wenn Marcel Ospel Kapitän der Panta Rhei auf dem Zürichsee würde.

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Tagblatt 21. November 2007

Nachwahllese
Von Kathy Riklin, Nationalrätin CVP Zürich

Bevor sich die Sonne am tiefsten Punkt über dem Horizont befinden wird, was dieses Jahr astronomisch am 22. Dezember der Fall ist, wird unser neu gewähltes Parlament in Bern seine Arbeit beginnen. Wahlprospekte und -unterlagen, Give-aways und Schafplakate werden bereits entsorgt sein. Was bleibt von dieser Wahlkampfzeit? Welche Versprechen werden eingelöst?

Wahlvertrag mit dem Volk, Verunglimpfung von Ausländern, angebliche Geheimpläne und Komplott-Theorien, GPK-Bericht und Berner Krawalle konnten von den eigentlichen Problemen unseres Landes ablenken. Wichtige Herausforderungen wie Umwelt und Klima, Demographie, Sozialversicherungen und Energieversorgung wurden kaum diskutiert. Ja, ich gestehe es, ich bin enttäuscht! Enttäuscht über einen Drittel des Volkes, welcher sich von einer Zig-Millionenkampagne an der Nase herumführen liess, enttäuscht über die Medien, welche diese inszenierte Reissbrettstrategie mitspielten und beunruhigt darüber, was noch auf uns zukommen wird.

Was in der Stadt Zürich bald wie der Schmutzli zum Samichlaus gehört, nämlich die Budgetablehnung durch die SVP, ist nun auch im Bundeshaus seit einigen Jahren schlechte Usanz. Entwicklungshilfe, dringend nötige Integrationsmassnahmen, welche auch die Wirtschaftsorganisation OECD in der Schweiz fordert, Kulturausgaben und sogar Bildungs- und Forschungskredite sollen weiter gekürzt werden. Ganz nach dem Motto: Was kümmern uns die Zusagen von gestern. Denn die Wahlsiegerin kann sich darauf verlassen, dass die anderen Parteien schon zum Rechten sehen werden. So zahlt es sich politisch aus, unrealistische und nicht mehrheitsfähige Sparvorschläge lauthals und medienwirksam zu vertreten. Folge dieser Dauerattacken ist, dass das Bundespersonal bereits extrem verunsichert und demotiviert ist. Wo bleibt der menschliche Umgang? Die Klimaerwärmung findet offensichtlich nur in der Atmosphäre statt. Die Klimawahl scheint sich ins Gegenteil umzukehren. Was die politische Zukunft betrifft stehen frostige Zeiten bevor.

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Tagblatt 29. August 2007

Nackte Eintagsfliegen

Das (politische) Sommerloch ist zu Ende. Nun müssen wir wieder in wärmere Kleider schlüpfen. Der Wahlherbst steht ins Haus – und viele Kandidierende werden sich warm anziehen müssen, wenn sie den Wahlkampfsturm unbeschadet überstehen wollen. Denn eines ist klar: Die Wählenden lassen sich nicht für dumm verkaufen und nicht hinters rechte oder linke Licht führen. Ehrlich währt am längsten – Eintagsfliegen sterben nach einem Tag.
Die Sommertage haben eigenartige Blüten zum Blühen gebracht: Die Migros lädt Nationalratskandidierende ein, für 1000 Franken Entschädigung Werbung für ihre Unterwäsche zu machen. 600 nackte Männer und Frauen posieren auf dem Aletschgletscher für das Klima, eingeladen vom US-Amerikaner Spencer Tunick. Ganz speziell angezogen durch die Nackt-Happenings scheinen die Grünen Politiker zu sein. Dies haben sie nicht nur auf dem Gletscher bewiesen. In Zürich haben sie ihre Nacktszenen vor einem Zürcher Polizeiauto produziert.
Interessiert es die Menschen, wie ein Politiker im String-Tanga ausschaut? Interesse daran haben vornehmlich die Medien. Was hat es mit Politik zu tun? Wenig, finde ich. Wenn sich Politiker auf Schauläufe dieser Art reduzieren, dann haben sie offenkundig Klamauk nötig! Fakt ist: Arbeit im Parlament ist Knochenarbeit.

Erinnern Sie sich an Achmed von Wartburg? In den bewegten 80er Jahren posierte er nackt für das Zürcher Stadtpräsidium. Die diesjährigen Sommeraktionen zeigen Ähnlichkeiten mit dem 80er-Jahre-Gag. Achmed ist eine politische Eintagsfliege geblieben. Den Figuren, die sich für diese neuen Nacktinszenierungen hergeben, wird es kaum anders gehen.

Wir von der CVP fordern beispielsweise, dass Kinderzulagen steuerfrei sein sollen. Konkrete Politik statt nackter Voyeurismus. Wem es Spass macht, der mag sich durch die Eintagsfliegen unterhalten lassen – über Geschmack lässt sich streiten.

von Kathy Riklin, Nationalrätin CVP

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Tagblatt 6. Juni 2007

Vom Kuhdreck zum Littering

Es gibt nationale Aufgaben, und es gibt nationale Symbole. Nationale Aufgaben sind zum Beispiel der Grenzschutz oder die Landeswerbung. Nationalsymbole sind unsere Schweizer Fahne, die Landeshymne und der Nationalfeiertag. Diese Symbole verkörpern unser Land - und unsere Heimat. Auch unsere Bundesregierung zähle ich zu den nationalen Emblemen: Gemeinsam wollten unsere Bundespräsidentin und die Nationalratspräsidentin - die höchsten Schweizer - am 1. August auf dem Rütli eine Rede in feierlich-festlichem Rahmen halten. Nun scheint dies zu scheitern. Zugegeben: Es ist nicht das dringendste Problem unseres Landes. Aber das Kuschen vor wilden Glatzköpfen hat auch Symbolcharakter. Andere Länder - monarchisch hin oder her - würden den roten Teppich ausbreiten und stolz auf der Blumenwiese ihre Erfolge und Stärken feiern. Nicht so der Bauernbub aus dem Zürcher Hinterland: Er spricht von einer Wiese mit Kuhdreck und möchte das Rütli am liebsten für ein Jahr von der Landkarte streichen. Ginge es nach Ueli’s Wunsch sollte die Wiese im Herzen der Schweiz - ad interim - zu einem weissen Fleck werden.

Und wir in Zürich? Auch bei uns ist der Respekt vor den Werten und Symbolen geschmolzen. Denn „Kuhdreck“ in der Stadt ist unser tägliches Littering, sind Schmierereien und Vandalismus. Respektlosigkeit vor unseren Kunstdenkmälern, vor unseren Infrastruktureinrichtungen wie Tram und Bus, vor unserem öffentlichen Raum. Wer die Blumenwiese nicht verteidigt, muss sich nicht wundern, wenn auch im eigenen Revier die rechten Schreihälse und linken Chaoten immer wieder Einzug halten. Ich wünsche mir, dass sich die Willensnation Schweiz am Schopf nimmt. Dass sie unseren Werten Sorge trägt und nicht zu einer Nation ohne Willen wird. Wir brauchen Menschen, die besser sind für unser Land als jene, die unsere Symbole verkennen oder zerstören. Denn wie schon Gotthelf sagte: Zu Hause muss beginnen, was leuchten soll im Vaterland!

Von Kathy Riklin, Nationalrätin CVP Zürich

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Tagblatt 14. März 2007

Das Ende des Service public?

Haben Sie sich auch schon gefragt, ob wir Bürgerinnen und Bürger etwa für den Service public da sind oder der Service public für uns? Manchmal habe ich den Eindruck, wir sind nur die sichere, ein fixes jährliches Einkommen garantierende Zapfstelle für unsere grossen Unternehmen. Nehmen wir unser Kabelfernsehen. Die Firma Cablecom hat es mit dem fortlaufenden Abschalten von TV-Programmen geschafft, den Zorn der Zürcherinnen und Zürcher auf sich zu laden. Und wie sieht es beim Telefon aus? Swisscom erhält von uns ebenfalls jährlich 300 Franken - für die seit Jahren abbezahlten Kupferdrähte. Erst mit dem vom EWZ geplanten Glasfaser-netzprojekt sind sie erwacht. Plötzlich werden neue rasche Internetleistungen angeboten. Ein Zufall? Und der einst so dominante gelbe Riese? Ein Postbüro nach dem anderen wurde in Zürich geschlossen. Wo können ältere Leute im Quartier noch Geld holen und Pakete verschicken? Im Gegenzug wurden neue wenig benutzerfreundliche Postzentren, die Supermärkten gleichen, eröffnet. Wen wundert’s, wenn dafür die Privaten Paketdienste immer mehr die Zürcher Strassen verstopfen: UPS, FedEx, DHL, DDP und wie sie alle heissen. Sie holen und bringen Pakete und fahren kreuz und quer durch die ganze Stadt. Ein Gewinn an Service public? Kaum! Wie lange geht’s, bis auch der gute alte Briefträger seine Dienste einstellt?

Nun soll auch noch die Post im Zürcher Hauptbahnhof geschlossen werden. Die Poststelle mit den höchsten Frequenzen, wo ich eingeschriebene Briefe bequem abholen konnte. Ein Grund mehr, nicht alles, was Chargé verschickt wird, abzuholen. Wenn es wichtig ist, gehen wir zurück zum alten Botendienst. Vom Service public zum Private service?

Kathy Riklin, Nationalrätin CVP

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Tagblatt der Stadt Zürich 27. Dezember 2006

Neujahrswünsche ins Palais

Nun türmen sie sich wieder bei mir zu Hause, die Dutzenden von Neujahrskarten. Merci Freunde, Verwandte, Bekannte und Unbekannte, Institutionen, Firmen, Lobbyisten und politische Weggefährten. Mindestens die Wünsche der Bundesräte möchte ich heute erwidern, in umgekehrter alphabetischer Reihenfolge. Damit komme ich zuerst zu Verteidigungsminister Samuel Schmid. Ich wünsche dir lieber Sämi, dass die SVP-Truppen mindestens im Wahljahr 2007 deine Rüstungsvorlagen und Armeereform unterstützen. Falls dies wieder nicht der Fall sein sollte, mögest du Christoph’s Ausbürgerungsvorlagen zuvorkommen. Bleib bei Deiner Gradlinigkeit! Bei Hans-Rudolf Merz bin ich echt ratlos. Nachdem Du nun selbst die Prägung von Einräpplern gestoppt hast, weiss ich nicht mehr, was Dir im kommenden Jahr Glück bringen wird. Strahlefrau Doris Leuthard, bereits voll integriert im Team, dir wünsche ich, dass dir die Bauern nicht allzu viele Eier ins Nest legen, damit weiterhin viel Elan und Kapazitäten für den wirtschaftlichen Aufschwung bleiben. Hopp Doris!

Moritz, viel Power für 2007! Hoffentlich holen Dich die drohenden Stromlücken nicht ein. Sonst werden wir deine brillanten Reden bei Kerzenlicht anhören müssen. Pascal Couchepin, l’enfant terrible du Conseil Fédéral, wird unsere Wünsche sowieso in den Wind schlagen. Daher wünsche ich dir viele schöne Stunden bei der Lektüre von Aristoteles. Santé Pascal! Unserer Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey, deren Neujahrswünsche bereits am 12.12. bei mir eingetroffen sind, wünsche ich bon sens und viel Glück in In- und Ausland! Merci Micheline für Deinen Einsatz für eine offene und solidarische Schweiz! Und Christoph Blocher? Dir wünsche ich, dass du den Rechtsstaat Schweiz und die Gewaltentrennung zwischen judikativer, legislativer und exekutiver Gewalt mit Elan verteidigst. Danke Christoph!
Und Ihnen allen treue Tagblattleserinnen und -leser ein glückliches Neue Jahr! Trotz dem zum Wochenblatt mutierten Tagblatt!

Von Kathy Riklin, Nationalrätin CVP Zürich

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Tagblatt, 2. November 2006

Sprachenstreit

Manchmal denke ich zurück an die vielen Schulstunden, die ich als Kind absolviert habe. Was ist geblieben, an was erinnere ich mich, was kann ich heute noch brauchen? Da haben wir alle Pässe der Schweiz auswendig gelernt, das Leben der Biene studiert, die Zahlenreihen herunter geschnetzelt, die Geschichte der alten Eidgenossen gebüffelt, Socken und insbesondere Fersen (meine ungeliebtesten Momente) gestrickt und zu meiner Freude Orientierungsläufe im Wald durchgeführt. Der grösste Teil des Stoffes, auch aus der gymnasialen Zeit, ist schon lange unwiderruflich abgelegt, für immer vergessen. 1200 bis 1500 Lektionen pro Jahr, gefüllt mit mehr oder weniger relevantem Stoff. Das nützlichste, neben meiner spezifischen Studienvorbereitung, sind und bleiben für mich die Fremdsprachenkenntnisse, die ich - leider erst in der Mittelschulzeit - erhalten habe. Wie beneide ich heute die Menschen, die mit zwei oder drei Fremdsprachen aufgewachsen sind. Spielerisch wechseln sie von einer in die andere Sprache.

Die Erkenntnisse der Sprachpädagogen zeigen, dass Fremdsprachen je früher umso müheloser erlernt werden. Ein positiver Nebeneffekt: Die Muttersprache Deutsch lernt man auch noch besser kennen. In unseren Nachbarländern haben die Kinder teilweise mit sechs, meist mit acht Jahren Englisch. Mit einer Volksinitiative soll nun im Kanton Zürich vorgeschrieben werden, dass nur eine Fremdsprache in der Primarschule unterrichtet werden darf. Die einen denken an Französisch, die meisten aber an Englisch. Im Gegenzug wird auf nationaler Ebene eine Gesetzesvorlage angestrebt, die als erste Fremdsprache eine Landessprache vorschreiben will. Für Zürich würde dies einen Abbruch des Frühenglischen bedeuten, welches seit zwei Jahren eingeführt ist. Das will wahrscheinlich kaum jemand. Ein Grund mehr, die Volksinitiative „nur eine Fremdsprache an der Primarschule“, wie dies bereits die Kantone Thurgau und Schaffhausen getan haben, nicht zu unterstützen. Denn Kinder brauchen keine Lernverbote.

Von Kathy Riklin, Nationalrätin CVP Zürich

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Tagblatt 26. September 2006

Flash aus Flims

Allegra, bun di! Die Flimser Zeit hat begonnen! Nein, ich will ihnen nicht von meinen verpassten Wellness-Besuchen berichten. Und auch nicht von den Malanser, Maienfelder und Fläscher-Weinen. Drei Wochen „Bündner Herrschaft“ im Glas sind genug. Harte Arbeit ist angesagt. Von 8.00 bis 19.00, je nach Kommissionszuteilung beginnt der Stress bereits um 7.00. All dies bei strahlendem Wetter! Frühturnen gibt es nur beim Abstimmungsmarathon: Auf, ab, auf, ab … Dafür finden die Mitglieder der grossen (Tennis-)Kammer, in der naturgekühlten, offenen Alpen-Wandelhalle Abkühlung. Allegra! Die Schubladen der Ikea-Tischchen entpuppen sich als heimtückisch, findet man doch ab und zu alle Gesetzesfahnen beim Vordermann auf dem Boden. Ganz speziell bemerkbar macht sich der Biokäse, den der sozialdemokratische Bündner Schlossherr und Kollege gleich zu Beginn verteilen liess. Über all diese Unbill hilft uns der fantastische Bergblick und die würzige Alpenluft hinweg, die wir gelegentlich erhaschen können.

Da durften doch die beiden SVP-Nörgeler der Nation, der Aargauer Fuhrmann und der Museumsprofessor, am TeleZüri über die teure Wellness-Session schimpfen. Erst bei der Eröffnungsfeier und dem Dank an den Spiritus Rector und Promotor der Flimser Session, Ständerat Christoffel Brändli (GR, SVP) wurde mir klar wie das Spiel funktioniert: Die SVP lobbyiert erfolgreich für die Tourismus fördernde Session und die Kollegen der selben Partei lästern und schimpfen über die überflüssige, teure Bündner Verlegung. Allegra! Die Wellness, liebe Leserinnen und Leser, findet vorwiegend in den Köpfen der Journalisten statt. Auf den bequemen Stühlen vor dem Ständerats-Jugendstilpavillon warten sie nun in überaus grosser Zahl auf Opfer und weitere Stories. Bei meinem Blitzbesuch im Pool habe ich auf alle Fälle eine vollständig vereinsamte Recreation Area angetroffen. Schade! Wir werden uns anpassen und Wilhelm Busch befolgen: „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert.“ A revair a Flem!

Von Kathy Riklin, Nationalrätin CVP Zürich

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Tagblatt  25. August 2006

Nord-Süd-Vergleich

Nun bin ich wieder für Sie da. Frisch und froh, ausgeruht und mit Sonnenenergie aufgetankt. Ich hoffe, Sie auch! In der totalen Sommerpause, ohne Sitzungen in Bern und Unterricht in Zürich, konnte ich erneut feststellen, in welch fantastischem Land wir leben dürfen. Die Sonne scheint meistens, entweder nördlich oder südlich des Gotthards, manchmal auch auf beiden Seiten. Glückliches Land, das mit einer kurzen Alpentraverse solche Gegensätze bieten kann. Und wer auf den öffentlichen Verkehr setzt, pendelt problemlos Nord-Süd. Stau hin oder her. Dumm nur für die Pechvögel, die sich auf der falschen Wetterseite befinden.
Ich habe mich auf alle Fälle vom Wasser erneut zum Wasser begeben. Nein, nicht vom Nieseln zum Regen, sondern mit der Sonne vom Zürichsee zum Luganersee und vice versa. Geblasen vom Nordföhn und Südföhn, sozusagen.

Und was tut man am besten, wenn es so warm und sonnig ist? Man geniesst den See. Im Luganerseebecken fallen vor allem zwei Objekte auf: eine eingepackte Bauruine am Quai von Lugano und vis-à-vis ein riesiger, noch nicht eingeweihter Neubau. Die Leidensgeschichte der Brandruine des Palace von Lugano ist lang, die Zukunft des neuen, völlig überdimensionierten Casino in Campione d’Italia ist ungewiss. Da nützt auch die Gestaltung durch einen Stararchitekten nicht, wie man sie im Tessin jeweils für heikle Grossprojekte holt. Das extraterritoriale Casino von Mario Botta wird kaum in die Architekturgeschichte eingehen. Da wünsche ich mir nur, dass das im See geplante Parkhaus vor Morcote trotz Stararchitekt Botta nie gebaut werden wird. Notabene cari amici, Zürich hat das Limmatparking bereits in den achtziger Jahren abgeschrieben. Frei nach dem Jargon von Stadtrat Martin Waser gibt es hier nur zwei Erkenntnisse. Erstens: Ein Stararchitekt alleine bringt noch keine architektonische Aufwertung à tout prix. Zweitens: Ein Casino wäre in Zürich wahrscheinlich besser platziert und rentabler als in Lugano und Campione d’Italia.

Von Kathy Riklin, Nationalrätin CVP Zürich

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 K o l u m n e n   in der Zeitung  Treffpunkt

3/2008  Integration, je früher, desto besser
9/2007  Wohin geht die Schweiz
3/2007  Risiko (Energieproduktion)
9/2006  Solidarität
3/2006  Ein grosser Wurf für die Bildung