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Zum 1. August
Rede in Zürich Höngg auf dem Kappenbühl

Liebe Geburtstagsgemeinde, sehr geehrte Hönggerinnen und Höngger, liebe Stadt-Zürcher, liebe Gäste

Sie alle kennen das 1. Augustabzeichen – es wird jedes Jahr von tausenden von Freiwilligen verkauft, und es gehört zum heutigen 1. August wie der Lampion, die Wurst, das Feuerwerk und das Erstaugustfeuer. Herausgegeben wird dieses Abzeichen von einer Stiftung. Sie heisst: Pro Patria. Pro Patria – was heisst das eigentlich? Und: Was heisst das eigentlich für uns?

Auf Deutsch bedeutet Pro Patria: Für das Vaterland. Vater-Land. Schon sehe ich, dass sich im Publikum einige Stirnen in Falten legen. Tatsächlich: Warum sollen wir heute, am 1. August, nur von einem Vater-Land sprechen? Das Vaterland ist ja auch ein Mutterland, wenn Ihnen das lieber ist. Man könnte von einem Töchterland, oder einem Söhneland – von unserem Heimatland sprechen. Oder ganz einfach von unse­rem Land – Ihres, Deines, Eures, Meines. Unsere Schweiz! Und das feiern wir heute: Den Geburtstag unserer Schweiz, unseres Landes. Willkommen zur Geburtstagsfeier! Zur 716.!

Das 1. August-Abzeichen der Pro Patria ist gleichsam das Mitgliedsabzeichnen für die heutige Feier. Wer es trägt, der will damit aussagen: Ich stehe ein für die Schweiz – für mein Land, unsere Schweiz.
Das diesjährige Erstaugustabzeichen gefällt mir ganz besonders. Es besteht aus den Umrissen der Schweiz und darin eingefügt ein kleiner Kompass. Der Kompass hilft den Weg zu finden. Er ist ein Zeichen für Ausrichtung und Orientierung.

Ist nicht gerade ein Geburtstag ein idealer Anlass, sich zu orientieren – den Kompass hervorzunehmen, die gegenwärtige Lage genau zu bestimmen und den Weg neu auszurichten? Mit dem Kompass die Richtung zu bestimmen. Meine Damen und Herren – lassen sie uns das heute gemeinsam tun. Lassen Sie uns den Schweizer Kompass hervornehmen und uns orientieren! Kommen Sie mit auf einen kleinen Orientierungslauf durch und in der Schweiz – gemeinsam mit mir.

Wo stehen wir?
In den letzten Jahren hat sich einiges im Umfeld des roten Schweizerkreuzes bewegt. Den Verlust des Idols Swissair haben wir alle - ich glaube, ich darf auch für sie sprechen - in schmerzhafter Erinnerung.
Aber auch neue, laute Töne sind aufgekommen, die der Schweiz nicht gut anstehen.
W auf dem Kompass bedeutet Westen. Der Buchstabe W hat aber noch ganz viele andere Bedeutungen. Ich will mit Ihnen den Kompass heute nach W richten – mit 

10 «W» als Wegweiser und Orientierung
Ich stelle meine Rede also unter das Motto «w». Denn ganz viele Wörter, die für mich und die Schweiz von grosser Bedeutung sind, beginnen mit einem «w». Nicht nur das «www», das world wide web, das heute nicht mehr wegzudenken ist. Für mich gibt es viel wichtigere Wörter die mit «w» beginnen.

Willensnation: Ich beginne mit dem Begriff Willensnation Schweiz. Die Schweiz ist eine Nation, die aus eigenem Willen zusammengefunden hat. In einer Willensnation leben zwar ethnisch verschiedene einheimische Volksgruppen (Definition), sie fühlen sich aber dem gemeinsamen Staatswesen, dem Vielvölkerstaat, zugehörig. Obgleich wir Schweizerinnen und Schweizer verschiedenen sprachlichen, konfessionellen und kulturellen Gruppen angehören, bilden wir eine Nation, zusammengekittet durch das Zusammengehörigkeits- und Identitäts- oder Gemeinschaftsgefühl.
Aber langsam müssen wir feststellen, dass der Wille, eine zusammen gehörende Nation zu sein, nachlässt. Eine Willensnation mit nachlassendem Willen zur Nation, das kann jedoch existenziell werden. Staatssekretär Franz Blankart, ein Mann mit grossem geschichtlichen Wissen und profunden Kenntnissen unserer europäischen Nachbarländer, sagte bereits 1995: „Es gibt ja kaum mehr eine gemeinsame Überzeugung davon, was die Schweiz sein kann, sein soll und ist."
Ich meine, nur wenn wir unsere Viersprachigkeit leben, die Landessprachen lernen und den Austausch zwischen den Regionen pflegen, hat die Schweiz als Willensnation ihre Berechtigung.

Wissensgesellschaft: Dies führt mich zum zweiten W, der Wissensgesellschaft und meinem Herzensanliegen. Es gibt nie zu viel Wissen und Bildung! Auch wenn mir einmal ein Arbeitsloser telefoniert hat, er sei überqualifiziert und er habe daher kein Verständnis für meine Aussage in einer Zeitschrift „es gibt nie zu viel Bildung“, finde ich dies die zentrale Aufgabe unseres Staates, nicht nur für den wirtschaftlichen Erfolg und die persönliche Bereicherung, sondern auch für eine gelebte Demokratie. Schlussendlich müssen wir immer wieder über hoch komplexe Vorlagen abstimmen. Viele wichtige Funktionen in unserem Staat werden durch Bürgerinnen und Bürger übernommen, je ausgebildeter und je grösser das Wissen desto besser.

Weisheit: Dies führt mich schon zum nächsten W, der Weisheit. Weisheit kann man nicht kaufen, weise wird man meist mit dem Alter. Daher wünsche ich mir eine weise Schweiz, die klug handelt, nachdenkt, den Kontakt mit den Nachbarländern pflegt und ausgewogene Lösungen findet.

Wandel und Wettbewerb: Ein Land, welches sich der Zukunft stellt, muss aber auch keine Angst vor den nächsten zwei von mir gewählten «W» haben: Es sind dies Wandel und Wettbewerb. Die „Zeiten ändern sich und wir ändern uns mit Ihnen“ ist ein bekanntes lateinisches Sprichwort. Nur den alten Zeiten nachtrauern hilft nichts. Wir leben in einer neuen Zeit. Ständig von Missbrauch zu sprechen und die Ausländer anprangern, bringt unser Land nicht weiter. Unsere Gesetze sind gut, wir müssen sie konsequent anwenden und vollziehen. Wenn wir eine gute Ausbildung haben, müssen wir den Wettbewerb nicht fürchten. Damit können wir den Wandel als Chance und den Wettbewerb als stimulierende Herausforderung erleben.

Wahrheit und Wahrhaftigkeit: Das höchste Gut, das mit W beginnt, ist die Wahrheit. Hier sind die Politikerinnen und Politiker besonders gefordert. Den Begriffen Wahrheit und Wahrhaftigkeit, sollte jeder Mensch verpflichtet sein. Ich überlasse es Ihnen, hier zu urteilen, zu beurteilen und die Konsequenzen zu ziehen.

Werte: Damit sind wir bei einem weiteren meiner Leuchtturm-Begriffe angelangt: Dem Begriff Werte! Littering, sinnlose Zerstörung, Jugendgewalt und Hooliganismus sind Symptome einer Fehlentwicklung. Daher braucht es Werte wie Verantwortung, Respekt, Solidarität und Gemeinschaftssinn. Dafür setze ich mich immer wieder ein.

Würde: Als neuntes W möchte ich das Wort Würde herausgreifen. Ein Begriff, der ebenfalls als eine Leitschnur für alles Handeln dienen sollte. Die Menschenwürde hat einen eigenen Artikel in unserer Bundesverfassung (Art. 7) erhalten: „Die Würde des Menschen ist zu achten und zu schützen.“ Heisst es dort. Aber auch die „Würde der Kreatur“ fand Eingang in unsere Verfassung und hat uns im Zusammenhang mit Gentechnologie und Tierschutz sehr beschäftigt. Wir könnten nun weiter gehen zur Würde des Amtes. Auch hier liesse sich noch viel sagen. Ob nackte Politiker auf dem Gletscher - drohende Klimaänderung hin oder her - diesem Anspruch nachkommen, bezweifle ich.

Wurzeln: Und nun zum letzten W, den Wurzeln. Ein Programm von Präsenz Schweiz unter dem Titel Swiss Roots in Amerika hat ein breites Echo erzielt. Auch wir sind stolz auf unsere Schweizer Wurzeln und wir feiern sie heute. Wurzeln sind wichtig, sie geben Halt. Lassen sie uns daher unsere Wurzeln, unseren Geburtstag und das Erfolgsrezept Schweiz feiern.

Willensnation, Wissensgesellschaft, Weisheit, Wandel und Wettbewerb, Wahrheit und Wahrhaftigkeit, Werte, Würde, Wurzeln. Das waren meine 10 W-Begriffe.

Nun könnten wir noch viele weitere wichtige Begriffe mit «W» aufführen: Wachsamkeit, Wehrwille, Wohlstand, Wirtschaft, Wachstum, Wunder, …. Wahlen …. Ich überlasse dies Ihnen.
Ach ja, fast hätte ich das wichtigste «W» von heute Abend vergessen. Dieses «W», das so untrennbar zum 1. August gehört wie der Tannenbaum zu Weihnachen. Ich rieche es schon; der Duft liegt in der Luft, und das entsprechende W auf dem Grill. Genug geredet, ab jetzt steht das wichtigste W im Zentrum des Festes: W wie Wurst – en Guete, und ein wunderschönes 1. Augustfest!

Rede in Zürich Höngg auf dem Kappenbühl
(Die Rede wird in Mundart gehalten)
Von Kathy Riklin, Dr. sc. nat. ETH, Nationalrätin CVP, Ständeratskandidatin


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Kolumne im Tagblatt der Stadt Zürich 4. Juni 2007
Vom Kuhdreck zum Littering (zum 1. August 2007)

   Es gibt nationale Aufgaben, und es gibt nationale Symbole. Nationale Aufgaben sind zum Beispiel der Grenzschutz oder die Landeswerbung. Nationalsymbole sind unsere Schweizer Fahne, die Landeshymne und der Nationalfeiertag. Diese Symbole verkörpern unser Land - und unsere Heimat. Auch unsere Bundesregierung zähle ich zu den nationalen Emblemen: Gemeinsam wollten unsere Bundespräsidentin und die Nationalratspräsidentin - die höchsten Schweizer - am 1. August auf dem Rütli eine Rede in feierlich-festlichem Rahmen halten. Nun scheint dies zu scheitern. Zugegeben: Es ist nicht das dringendste Problem unseres Landes. Aber das Kuschen vor wilden Glatzköpfen hat auch Symbolcharakter. Andere Länder - monarchisch hin oder her - würden den roten Teppich ausbreiten und stolz auf der Blumenwiese ihre Erfolge und Stärken feiern. Nicht so der Bauernbub aus dem Zürcher Hinterland: Er spricht von einer Wiese mit Kuhdreck und möchte das Rütli am liebsten für ein Jahr von der Landkarte streichen. Ginge es nach Ueli’s Wunsch sollte die Wiese im Herzen der Schweiz - ad interim - zu einem weissen Fleck werden.
   Und wir in Zürich? Auch bei uns ist der Respekt vor den Werten und Symbolen geschmolzen. Denn „Kuhdreck“ in der Stadt ist unser tägliches Littering, sind Schmierereien und Vandalismus. Respektlosigkeit vor unseren Kunstdenkmälern, vor unseren Infrastruktureinrichtungen wie Tram und Bus, vor unserem öffentlichen Raum. Wer die Blumenwiese nicht verteidigt, muss sich nicht wundern, wenn auch im eigenen Revier die rechten Schreihälse und linken Chaoten immer wieder Einzug halten. Ich wünsche mir, dass sich die Willensnation Schweiz am Schopf nimmt. Dass sie unseren Werten Sorge trägt und nicht zu einer Nation ohne Willen wird. Wir brauchen Menschen, die besser sind für unser Land als jene, die unsere Symbole verkennen oder zerstören. Denn wie schon Gotthelf sagte: Zu Hause muss beginnen, was leuchten soll im Vaterland!
Von Kathy Riklin, Nationalrätin CVP Zürich

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